Entrauchung von Treppenhäusern– Bedeutung, Vorschriften, technische Anforderungen
Das Treppenhaus in einem mehrgeschossigen Gebäude spielt eine zentrale Rolle im Brandschutz. Es dient als vertikaler Fluchtweg für die Nutzer des Gebäudes.
Im Brandfall hat der Schutz dieses Bereichs vor Rauch und toxischen Gasen höchste Priorität.
Rauchabzugsanlagen sind ein wesentlicher Bestandteil der Brandlüftung und werden auf vertikalen Fluchtwegen in mehrgeschossigen Gebäuden standardmäßig eingesetzt.
Ziele eines fachgerecht geplanten Entrauchungssystems
Ein richtig ausgelegtes Entrauchungssystem verfolgt zwei zentrale Aufgaben:
Schutz der Evakuierung: Den Nutzern sichere Bedingungen für das Verlassen des Gebäudes bieten.
Unterstützung der Rettungsmaßnahmen: Den Einsatzkräften der Feuerwehr das Erreichen der Brandquelle erleichtern – insbesondere durch Sichtverbesserung, Senkung der Temperatur und Reduzierung der Schadstoffkonzentration.
Arten von Entrauchungssystemen im Treppenhaus
Unter Berücksichtigung der oben genannten Anforderungen lassen sich zwei Hauptsysteme der Rauchschutz- und Entrauchungstechnik unterscheiden:
- Entrauchungssystem (natürlich oder natürlich mit mechanischer Nachströmung):
Ein System, das den auf dem Treppenhaus einströmenden Rauch während der Evakuierung ins Freie abführt.
Rauchschutzsystem (Druckdifferenzsystem):
Ein System, das durch Erzeugung eines Differenzdrucks zwischen dem Brandraum und dem geschützten Bereich das Eindringen von Rauch verhindert.
Natürliches Entrauchungssystem für das Treppenhaus
Das System zur natürlichen Rauch- und Wärmeabführung basiert auf einem physikalischen Prozess – der Konvektion. Heiße Rauchgase steigen auf und können über eine Öffnung im oberen Bereich des Treppenhauses nach außen abgeführt werden.
Rauch- und Wärmeabzugsgeräte
Rauch- und Wärmeabzugsgeräte zur sicheren Entrauchung von Gebäuden, ausgeführt gemäß der Norm PN-EN 12101-2 – Rauch- und Wärmefreihaltung, Teil 2: Natürliche Rauch- und Wärmeabzugsgeräte.
Dach-Rauchabzugsgeräte:
Die am häufigsten eingesetzte Lösung. Die Geräte werden im Dach oder Flachdach am höchsten Punkt des Treppenhauses installiert. Sie sind für hohe Wind- und Schneelasten ausgelegt und gewährleisten ein zuverlässiges Öffnen im Brandfall.
Wandmontierte (seitliche) Rauchabzugsgeräte:
Eine bewährte Alternative für hohe Gebäude oder Objekte mit mechanischer Zuluft. Die Montage erfolgt in den Außenwänden der obersten Etage.
Zuluftöffnungen für Ausgleichsluft (Kompensationsluft)
Zuluftöffnungen sorgen für den notwendigen Zustrom von Ersatzluft, um den Rauchabzug effizient zu unterstützen. Typische Lösungen sind:
- Automatisch öffnende Haupteingangstüren
- Automatisch öffnende Fenster im unteren Treppenhausbereich
In hohen Gebäuden oder wenn natürliche Zuluftöffnungen nicht möglich sind, wird ein mechanisches Zuluftsystem eingesetzt. Der Ventilator sollte entsprechend den Parametern des Treppenhauses fachgerecht ausgelegt werden.
Steuerungs- und Energieversorgungssystem
Auslösung des Systems:
Das System kann auf zwei Arten ausgelöst werden:
- Automatisch:
Über im Treppenhaus installierte Rauchmelder, die an die RWA-Zentrale oder die Brandmeldeanlage angeschlossen sind. - Manuell:
Über RWA-Taster (Handauslösetaster), die am Eingang zum Treppenhaus sowie im Erdgeschoss, im obersten Geschoss und auf jedem dritten Geschoss installiert sind.
Die RWA-Zentrale sorgt dafür, dass Rauchabzugs- und Zuluftgeräte gleichzeitig geöffnet werden. Sie verfügt über eine Notstromversorgung (Akkumulatoren), die den Betrieb des Systems mindestens 30 Minuten nach Ausfall der Netzversorgung gewährleistet.
Häufige Fehler bei Planung und Nutzung von Treppenhaus- Rauchabzugsanlagen
- Zuluft über den Eingangsbereich/Hall mit Zusatzfunktionen:
Der Luftstrom darf nicht durch Räume mit anderen Nutzungen fließen und muss frei von brennbaren Materialien sein. Zudem darf kein Rauch aus angrenzenden Räumen eindringen. - Zu lange Zuluftwege:
Verlängerte Wege für Kompensationsluft können die Wirksamkeit der Rauchabführung negativ beeinflussen. - Zuluft aus oberen Geschossen:
Für eine effektive Strömung sollten die Zuluftöffnungen/ Kompensationsöffnungen immer auf der untersten Nutzungsebene angeordnet werden. - Blockierte Öffnungen:
Zuluftöffnungen müssen automatisch öffnen und offen bleiben. Sie dürfen nicht durch Zutrittskontrollsysteme, andere Signale oder Gegenstände blockiert werden. - Rauchabzugsfenster unterhalb der obersten Etage:
Eine niedrige Platzierung kann zu Rauchansammlungen im oberen Treppenhausbereich führen und die Evakuierung erschweren. Rauchabzugsfenster sollten daher so hoch wie möglich unter dem Dach installiert werden.
Was bestimmt die Wirksamkeit eines natürlichen Rauchabzugssystems im Treppenhaus?
Ein natürliches Entrauchungssystem ist ein wesentlicher Bestandteil des Brandschutzkonzeptes. Es dient dem Schutz vertikaler Rettungswege und ermöglicht sowohl die sichere Evakuierung der Nutzer als auch wirksame Einsätze der Feuerwehr.
Die Leistungsfähigkeit hängt vom Zusammenspiel zentraler Komponenten ab:
- Wirksame Rauchabführung
(durch Geräte mit korrekt ausgelegter aerodynamisch wirksamer Öffnungsfläche). - Sichere Nachströmung von Kompensationsluft
(natürliche oder mechanische Luftzufuhr, idealerweise immer auf der untersten Nutzungsebene). - Zuverlässige Steuerung und Notstromversorgung
(gleichzeitige Aktivierung der Rauchabzugs- und Nachströmöffnungen).
Selbst das beste System kann versagen, wenn in Planung, Ausführung oder Betrieb Fehler auftreten. Fachgerechte Planung, die Einhaltung geltender Vorschriften und Normen sowie regelmäßige Wartung sind entscheidend, damit das System im Ernstfall zuverlässig funktioniert und Menschenleben schützt.
Der vorliegende Artikel bezieht sich überwiegend auf Anforderungen in Polen – viele davon sind jedoch universell. Wir laden Sie herzlich ein, die Beratung durch MERCOR zu nutzen: export@mercor.com.pl